Gerade Zähne sind keine Frage des Alters: Zahnfehlstellungen lassen sich in vielen Fällen auch im Erwachsenenalter behandeln. Entscheidend sind vor allem der Zustand der Zähne, des Kieferknochens und des Zahnhalteapparates sowie eine sorgfältige kieferorthopädische Diagnostik.
Zahnkorrektur im Erwachsenenalter: 3 wichtige Fakten
- Individuelle Voraussetzungen: Nicht das Lebensalter, sondern die Gesundheit von Zähnen, Zahnfleisch, Kieferknochen und Zahnhalteapparat bestimmt, ob und wie eine Behandlung durchgeführt werden kann.
- Diskrete Verfahren: Transparente Aligner, innenliegende feste Zahnspangen und Keramikbrackets ermöglichen unterschiedliche Formen einer ästhetisch zurückhaltenden Zahnkorrektur.
- Langfristige Stabilisierung: Nach der aktiven Behandlung ist eine konsequente Retention erforderlich, damit die erreichte Zahnstellung möglichst dauerhaft erhalten bleibt.
Warum entscheiden sich Erwachsene für eine Zahnspange?
Gerade Zähne wünschen sich viele Menschen nicht nur aus ästhetischen Gründen. Auch die Funktion des Gebisses, die Belastung einzelner Zähne und die Möglichkeiten einer gründlichen Mundhygiene können bei der Entscheidung für eine kieferorthopädische Behandlung eine Rolle spielen.
Häufig stören sich Betroffene an verschachtelten, gedrehten oder vorstehenden Zähnen. Auch Zahnlücken oder Veränderungen der Zahnstellung, die sich erst im Laufe des Lebens entwickelt haben, können Anlass für eine kieferorthopädische Untersuchung sein.
Neben dem Erscheinungsbild können funktionelle Aspekte relevant sein. Ausgeprägte Zahn- oder Kieferfehlstellungen können das Kauen, Beißen, Sprechen oder Atmen beeinträchtigen oder künftig beeinträchtigen. Ob Beschwerden tatsächlich mit einer Fehlstellung zusammenhängen und welche Behandlung medizinisch sinnvoll ist, muss jedoch immer individuell untersucht werden.
Eine Zahnkorrektur kann außerdem Bestandteil eines übergeordneten zahnmedizinischen Behandlungskonzeptes sein. Beispielsweise lassen sich gekippte Zähne aufrichten oder Lücken gezielt anpassen, bevor Zahnersatz oder Implantate geplant werden.
In solchen Fällen ist eine enge Abstimmung zwischen Kieferorthopädie, Hauszahnarzt, Parodontologie, Prothetik und gegebenenfalls Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie sinnvoll.
Welche Zahnfehlstellungen können behandelt werden?
Eine kieferorthopädische Behandlung kann unter anderem bei folgenden Befunden infrage kommen:
Engstände
Verschachtelte oder zu eng stehende Zähne können die Reinigung erschweren und das Erscheinungsbild beeinflussen.
Zahnlücken
Vorhandene Lücken können je nach Behandlungsziel geschlossen, geöffnet oder für eine spätere Versorgung angepasst werden.
Gedrehte oder gekippte Zähne
Fehlpositionierte Zähne lassen sich abhängig vom Befund kontrolliert aufrichten oder in den Zahnbogen einordnen.
Vorstehende Frontzähne
Eine ungünstige Stellung der Frontzähne kann ästhetische und funktionelle Auswirkungen haben.
Fehlbisse
Kreuzbiss, Tiefbiss oder offener Biss erfordern eine genaue Analyse der Zahn- und Kieferbeziehungen.
Vorbereitende Korrekturen
Ungünstige Zahnstellungen können vor einer prothetischen Versorgung gezielt verändert werden.
Wichtig: Nicht jede Fehlstellung lässt sich ausschließlich durch eine Bewegung der Zähne beheben. Bei ausgeprägten skelettalen Abweichungen zwischen Ober- und Unterkiefer kann nach Abschluss des Wachstums eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung erforderlich sein.
Welche Zahnspangen eignen sich für Erwachsene?
Moderne kieferorthopädische Verfahren ermöglichen eine Zahnkorrektur, die sich häufig gut mit dem Berufs- und Privatleben vereinbaren lässt. Welche Apparatur geeignet ist, hängt von der Art und Ausprägung der Fehlstellung, dem Behandlungsziel und den persönlichen Voraussetzungen ab.
Transparente Aligner
Dünne, nahezu unsichtbare Kunststoffschienen bewegen die Zähne schrittweise in die geplante Position. Sie werden zum Essen, Trinken und Zähneputzen herausgenommen.
Für den Behandlungserfolg ist eine konsequente Tragezeit von in der Regel rund 22 Stunden täglich erforderlich.
Lingualtechnik
Brackets und Behandlungsbögen werden auf den Innenseiten der Zähne befestigt und sind dadurch von außen praktisch nicht sichtbar.
Die feste Apparatur wirkt rund um die Uhr und kann auch umfangreiche dreidimensionale Zahnbewegungen ermöglichen.
Keramikbrackets
Zahnfarbene oder transparente Keramikbrackets wirken dezenter als klassische Metallbrackets und ermöglichen eine kontinuierliche Kontrolle der Zahnbewegungen.
Individuelle Auswahl
Entscheidend sind nicht allein die Sichtbarkeit, sondern Diagnose, Behandlungsziel, notwendige Bewegungsart und die Voraussetzungen im Mund.
Transparente Aligner
Aligner sind dünne, nahezu unsichtbare Kunststoffschienen, die individuell hergestellt werden. Mehrere aufeinander abgestimmte Schienen bewegen die Zähne schrittweise in die geplante Position.
Zum Essen, Trinken und Zähneputzen werden die Aligner herausgenommen. Dadurch bleibt die gewohnte Zahnpflege weitgehend möglich. Regelmäßige Kontrolltermine stellen sicher, dass die Zahnbewegungen wie geplant verlaufen.
Aligner kommen besonders häufig bei leichten bis mittelschweren Fehlstellungen zum Einsatz. Abhängig von der individuellen Situation lassen sich auch komplexere Bewegungen durchführen. Ob eine Schienentherapie biomechanisch geeignet ist, kann jedoch nur nach einer fachzahnärztlichen Untersuchung beurteilt werden.
Innenliegende feste Zahnspange
Bei der Lingualtechnik werden Brackets und Behandlungsbögen auf den Innenseiten der Zähne befestigt. Die Apparatur ist dadurch von außen praktisch nicht sichtbar und wirkt rund um die Uhr.
Da die Zahnspange fest eingesetzt ist, hängt ihre Wirkung nicht von einer täglichen Trageentscheidung ab. Mit individuell angefertigten lingualen Apparaturen können auch umfangreiche und dreidimensional anspruchsvolle Zahnbewegungen geplant werden. Zu Beginn kann eine kurze Eingewöhnungsphase notwendig sein, insbesondere beim Sprechen und für die Zunge.
Feste Zahnspange mit Keramikbrackets
Eine weitere Möglichkeit sind festsitzende Zahnspangen mit zahnfarbenen oder transparenten Keramikbrackets. Sie sind sichtbar, wirken jedoch dezenter als klassische Metallbrackets. Festsitzende Apparaturen ermöglichen eine kontinuierliche Kontrolle der Zahnbewegungen und können bei zahlreichen Fehlstellungen eingesetzt werden.
Gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch als Voraussetzung
Bevor Zähne bewegt werden, müssen bestehende Erkrankungen erkannt und behandelt werden. Das gilt insbesondere für Karies, Zahnfleischentzündungen und Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Bei Erwachsenen ist die Beurteilung des parodontalen Zustands besonders wichtig.
Sind Knochen oder Zahnhalteapparat vorgeschädigt, bedeutet dies nicht automatisch, dass eine Zahnkorrektur ausgeschlossen ist. Die Behandlung muss dann jedoch sorgfältig abgestimmt und mit kontrollierten Kräften durchgeführt werden.
Bei der Therapieplanung zu berücksichtigen: Vorhandene Kronen, Brücken, Implantate oder geplante zahnärztliche Versorgungen fließen ebenso in das Behandlungskonzept ein wie der Zustand des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates.
Wie läuft eine Erwachsenenbehandlung ab?
Am Anfang steht die Erhebung der individuellen Wünsche, möglicher Beschwerden, Vorerkrankungen und bisheriger zahnmedizinischer Behandlungen. Anschließend erfolgt die diagnostische Untersuchung.
Zähne, Biss und Kiefergelenke
Die Stellung der Zähne, die Verzahnung und die Funktion der Kiefergelenke werden beurteilt.
Zahnfleisch und Zahnhalteapparat
Entzündungen, parodontale Vorschädigungen und die Belastbarkeit des Zahnhalteapparates werden berücksichtigt.
Fotos und 3D-Scan
Fotoaufnahmen und ein digitaler Scan können die Zahnstellung dokumentieren und die Planung unterstützen.
Kiefermodelle
Digitale oder physische Modelle dienen der Analyse von Platzverhältnissen und Zahnbewegungen.
Röntgendiagnostik
Medizinisch erforderliche Röntgenaufnahmen werden indikationsbezogen ausgewählt.
Individueller Behandlungsplan
Auf Grundlage aller Befunde werden Behandlungsziel, Apparatur, Ablauf und Kontrollen festgelegt.
Die aktuelle kieferorthopädische Leitlinie betont, dass diagnostische Maßnahmen indikationsbezogen ausgewählt werden sollen. Ziel ist eine sichere Therapieplanung, ohne unnötige Untersuchungen durchzuführen.
Bei digital geplanten Verfahren kann die angestrebte Zahnstellung häufig bereits vor Behandlungsbeginn in einer dreidimensionalen Simulation dargestellt werden. Während der aktiven Behandlung wird der Fortschritt regelmäßig kontrolliert und die Therapie bei Bedarf angepasst.
In der Praxis von Dr. med. dent. Franca von Dörnberg erfolgt die Anfangsdiagnostik bei Aligner- und Lingualbehandlungen abdruckfrei mit einem 3D-Scan. Die Praxis arbeitet seit 2016 mit einem vollständig digitalen Workflow ohne klassische Zahnabdrücke.
Wie lange dauert die Zahnkorrektur?
Die Behandlungsdauer lässt sich nicht pauschal festlegen. Sie hängt unter anderem von der Ausgangssituation, dem Umfang der erforderlichen Zahnbewegungen, dem gewählten Verfahren und der biologischen Reaktion des Gewebes ab.
Kleinere Korrekturen können teilweise innerhalb weniger Monate abgeschlossen werden. Umfangreichere Behandlungen benötigen häufig deutlich mehr Zeit. Bei herausnehmbaren Alignern beeinflusst außerdem die tägliche Tragedauer den Fortschritt.
Eine realistische Einschätzung der Behandlungsdauer ist erst nach einer vollständigen Diagnostik möglich.
Retention: Das Ergebnis langfristig stabilisieren
Mit dem Erreichen der gewünschten Zahnstellung endet die kieferorthopädische Betreuung noch nicht. Zähne können die Tendenz haben, sich erneut zu verschieben. Deshalb folgt auf die aktive Behandlung die sogenannte Retentionsphase.
Herausnehmbare Retentionsschienen
Transparente Schienen stabilisieren die erreichte Zahnstellung und werden nach einem individuell festgelegten Schema getragen.
Festsitzende Retainer
Dünne Drähte werden auf der Innenseite der Frontzähne befestigt und stabilisieren die Zahnstellung dauerhaft im Alltag.
Welche Lösung geeignet ist und wie lange sie getragen werden sollte, wird individuell festgelegt. Die konsequente Retention ist entscheidend, um das Behandlungsergebnis langfristig zu erhalten.
Was kostet eine Zahnspange für Erwachsene?
Die Kosten richten sich nach dem Behandlungsumfang, der Dauer, dem gewählten System und den erforderlichen diagnostischen sowie therapeutischen Leistungen. Nach der Untersuchung wird ein individueller Kostenplan erstellt.
Kostenübernahme: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen eine kieferorthopädische Behandlung, die erst im Erwachsenenalter begonnen wird, grundsätzlich nicht. Eine Ausnahme besteht bei schweren Kieferanomalien, die eine kombinierte kieferorthopädische und kieferchirurgische Therapie erforderlich machen.
Privatversicherte und Personen mit einer Zusatzversicherung sollten die mögliche Erstattung anhand ihres konkreten Tarifs vor Behandlungsbeginn prüfen.
Moderne Kieferorthopädie für Erwachsene in München
Dr. med. dent. Franca von Dörnberg ist Fachzahnärztin für moderne Kieferorthopädie und behandelt in ihrer Praxis am Münchner Marienplatz Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Zu ihren Schwerpunkten gehören die Alignertherapie, die innenliegende Lingualtechnik, digitale Behandlungsabläufe und interdisziplinäre Behandlungskonzepte. Welche Zahnspange für eine erwachsene Patientin oder einen erwachsenen Patienten geeignet ist, lässt sich nach einer sorgfältigen Diagnostik individuell beurteilen.
Zahnkorrektur im Erwachsenenalter individuell planen
Zahnfehlstellungen lassen sich in vielen Fällen auch im höheren Lebensalter korrigieren. Moderne Verfahren wie transparente Aligner, innenliegende feste Zahnspangen und Keramikbrackets bieten unterschiedliche Möglichkeiten, ästhetische und funktionelle Behandlungsziele zu verfolgen.
Voraussetzung ist eine sorgfältige Untersuchung von Zähnen, Kieferknochen, Zahnfleisch und Zahnhalteapparat. Auch bestehender Zahnersatz, geplante Versorgungen und mögliche skelettale Fehlstellungen müssen in die Planung einbezogen werden.
Für ein langfristig stabiles Ergebnis ist neben der fachgerechten aktiven Behandlung insbesondere die anschließende Retentionsphase von zentraler Bedeutung.
Häufige Fragen zu Zahnspangen für Erwachsene
Bin ich zu alt für eine Zahnspange?
Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Zahnkorrekturen sind häufig auch im höheren Lebensalter möglich. Entscheidend sind der Zustand der Zähne, des Kieferknochens und des Zahnhalteapparates.
Sind Aligner vollständig unsichtbar?
Die transparenten Schienen sind im Alltag meist sehr unauffällig, jedoch nicht vollkommen unsichtbar. Je nach Behandlungsplanung können kleine zahnfarbene Attachments auf den Zähnen erforderlich sein.
Tut eine Zahnkorrektur weh?
Nach dem Einsetzen einer Apparatur oder dem Wechsel eines Aligners kann vorübergehend ein Druck- oder Spannungsgefühl entstehen. Starke oder anhaltende Beschwerden sollten fachzahnärztlich kontrolliert werden.
Bleiben die Zähne nach der Behandlung dauerhaft gerade?
Das Ergebnis muss durch einen Retainer oder eine Retentionsschiene stabilisiert werden. Ohne Retention besteht das Risiko, dass sich Zähne erneut verschieben.
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